Luciano Chinese
Luciano Chinese wird am 2. September 1942 in Mariano del
Friuli (Görz) als jüngstes von drei Kindern geboren,
in einer Zeit, in der in Friaul das Kriegsende noch nicht absehbar ist.
Er ist mit den Problemen einer Familie konfrontiert, in welcher der
Vater nach Deutschland deportiert wird und die Mutter zu harter Arbeit
gezwungen ist, um die Familie zu erhalten. Die Mutter, Tochter eines
damaligen Stuhlerzeugers und Kulturliebhaberin muss, da sie eine Frau
ist auf ein Studium verzichten und in der Fabrik arbeiten. Sie schickt
ihren ältesten Sohn Mario zum Studium nach Venedig. Luciano
Chinese verlässt mit fünf Jahren das Dorf und
übersiedelt nach Grado. Wenn er nach Hause
zurückkehrt, fühlt er sich etwas fremd …
Er besucht in seinem Dorf die Grundschule und ist Altersgenosse und
Schulkollege von Dino Zoff, mit dem ihn eine freundschaftliche
Beziehung verbindet.
Mit 13 Jahren übersiedelt er nach Venedig, wo er die
Staatliche Kunstschule besucht. Anschließend maturiert er am
Liceo Artistico.
Er beschließt Architektur zu studieren und
besucht - unter der Leitung von Meister Bruno Saetti - die Accademia di
Belle Arti.
Noch als Student begibt er sich in die Arbeitsgruppe von Mario Botta,
der damals auch noch Student ist. Er besucht den Kurs, der von Carlo
Scarpa meisterhaft geführt wird und nimmt später am
außerordentlichen Unterricht teil, der von Emilio Vedova an
der Sommerakademie in Salzburg abgehalten wird.
Während seines Aufenthaltes in Venedig lernt er hautnah die
örtlichen intellektuellen Kreise und große
italienische und ausländische Persönlichkeiten
kennen. Die Stadt durchläuft zur damaligen Zeit eine starke
Entwicklung; die internationale Bedeutung der Kulturzentren, wie die
bekannte Biennale in den Gärten sowie die neue Stiftung
“Giorgio Cini” auf der Insel S. Giorgio ziehen mit
ihren regelmäßigen Initiativen die weltweit
bedeutendsten Persönlichkeiten aus der Welt der Philosophie,
Wissenschaft, Literatur, Musik und Kunst an. Ausstellungen, Kongresse
und Diskussionen schaffen ein Bewusstsein von kritischer
Aktualität und öffnen für einen jungen
Menschen unvorhersehbare Horizonte. Er ist begierig zu verstehen und
sich mit den Projekten und den Erwartungen seiner Generation
auseinanderzusetzen. In der Malerei versucht er,
gegenständliche Elemente mit geometrischen Lösungen
zu verbinden. Er assoziiert unverzügliche Impulse aus der
Realität mit formalen Analysen neokonstruktivistischen
Ursprungs.
In der Zwischenzeit nimmt er an zahlreichen Ausstellungen teil und wird
für den Premio S. Floriano in Görz nominiert. Im Jahr
1967 findet die erste Einzelausstellung in Folgaria, einem
berühmten Bergdörfchen in der Nähe von
Trient, statt. Am Ende desselben Jahres wird in diesem Ort eine
Kunstgalerie mit dem Namen “Nuovo Spazio”
eröffnet, vielleicht eine Bestätigung der
persönlichen Neigung zu den Problemen in der Malerei, die auf
die expressiven Werte einer neuen Idee der Räumlichkeit
bezogen sind. Er schließt Freundschaft mit den venezianischen
Vertretern der Post-Zwölftonmusik sowie mit den Malern des
Movimento dello Spazialismo und teilt die Manifeste dieser in Malsano
von Lucio Fontana begründeten Richtung. Er hat Gelegenheit zu
verschiedenen Anlässen zu sprechen. Er festigt seine
Freundschaft mit Dichter Alfonso Gatto und lädt ihn dazu ein,
Konferenzen und Lesungen in seiner Galerie abzuhalten und
unterstützt mit ihm den “Premio Folgaria”,
einen nationalen Dichter- und Malbewettbewerb. In der
Tätigkeit als Galerist wechseln verschiedene Initiativen ab,
Gruppen- und Einzelausstellungen von Künstlern der neuen
Avantgarde, aber er organisiert auch Diskussionen und Lesungen
poetischer Texte. Im Jahr 1969 wird er zuerst zu einer
Kollektivausstellung in Venedig und dann nach Rom eingeladen. Einige
Monate später zeigt er hingegen eine neue Einzelausstellung in
Udine. Vom Historiker Pietro Zampetti, Direktor der Musei Civici
Veneziani, bekommt er die Einladung zu einer Einzelausstellung in der
Galerie der Fondazione Bevilacqua La Masa, der er aber nicht nachkommen
kann, da er in die berühmte Militärschule Scuola del
Genio von La Cecchignola in Roma muss.
In seiner Freizeit gelingt es
ihm, eine Serie von Formen aus Terracotta (zwölf Tafeln) zu
schaffen, die die Arbeit der “fabriceris” zeigen.
Die Tätigkeit, die er dennoch weiterhin über
Ausstellungen in der Galerie in Folgaria fördert,
führt zur Entwicklung eines Kulturprogramms, das nicht nur
darauf ausgerichtet ist, die Vertreter der historischen Avantgarde
Italiens wieder aufzuwerten, sondern auch um aufstrebende Talente
jüngerer Generationen bekannt zu machen. In diesem
Zusammenhang stechen, aufgrund der Bedeutung auf nationaler Ebene, die
Ausstellungen des Futuristen Giovanni Korompay sowie die
antizipierenden räumlichen Experimente des aufstrebenden
jungen Künstlers Germano Olivotto hervor. Er zeigt
großes Interesse an den einmaligen malerischen und
graphischen Experimenten von Giuseppe Zigaina, über den er
außerdem verschiedene Ausstellungen in zahlreichen
italienischen Städten organisiert.
Nachdem er den
Militärdienst geleistet hat, kehrt er 1971 nach Venedig
zurück, wo er die neue Galerie “Nuovo
Spazio” eröffnet, die sofort aufgrund ihres
innovativen Programms hervorsticht. Er öffnet seine
Räume Meistern, wie Guidi, Manzù, Spacal, Morlotti,
Santomaso, Music, Bortoluzzi und viel versprechenden jungen
Künstlern, wie Finzi, Licata und den blutjungen Plessi. In der
Zwischenzeit entwickelt sich seine Suche als Maler immer entschiedener
in Richtung einer abstrakt-räumlichen Poetik, wobei er zur
Gänze die Linie der noch naturalistischen Transfiguration
aufgibt.
Er lernt den historischen Fotografen, den Friulaner Italo Zannier,
kennen, der als Lehrer an die Università di Architettura
berufen wird. Nach einigen Jahren nimmt die Galleria “Nuovo
Spazio” in Venedig, die sich in diesem Bereich bekannter
historischer Vorreiter rühmen kann, eine eigene Top-Rolle ein,
die gewöhnlich von berühmten Schriftstellern und
Kritikern, von Pallucchini bis Marchiori, von Apollonio bis Mazzariol,
frequentiert wird, und regelmäßig sogar von Ezra
Pound und von Pier Paolo Pasolini während ihrer Aufenthalte in
der Stadt besucht wird. Die Galerie zeigt außerdem Werke von
Vertretern der ”Arte Programmata” (Programmierten
Kunst) und des “Behaviorismus” sowie die neuen
Strömungen in der kreativen Frauenkunst. Im Jahr 1976 ereignet
sich in Friaul ein verheerendes Erdbeben und Chinese reist von Venedig
ab, um seine Familien aufzusuchen, die zum Glück von den
Schäden des Erdbebens verschont geblieben ist. Er besucht die
noch unzugänglichen, vom Erdbeben betroffenen Ortschaften
zusammen mit seinem Bruder, der als Architekt zum Lokalaugenschein
für den Wiederaufbau gerufen wird. Er organisiert in Mariano
del Friuli eine Ausstellung mit Werken großer italienischer
Künstler zu Gunsten der Erdbebenopfer. Er gestaltet eine
Sonderwanderausstellung von Meistern, die am Touristenschiff
“Stradivari” auf die Landeplätze in den
verschiedenen Häfen des Mittelmeers gebracht wird.
Er
organisiert eine wichtige Einzelausstellung von Armando Pizzinato. Im
Jahr 1977 übersiedelt die Galerie “Nuovo
Spazio” in einen Palast im Zentrum der Stadt, unweit der
Piazza S. Marco. Dort stehen größere Räume
zur Verfügung. Die neue Galerie wird im März
pompös mit der außergewöhnlichen
Einzelausstellung, die Giovanni Korompay gewidmet ist,
eröffnet. Auch hier finden wieder Literaturveranstaltungen mit
Schriftstellern und Dichtern statt. Er arbeitet mit Arnaldo Momo und
Giovanni Poli für Theateraufführungen zusammen. Im
Mai 1978 heiratet er Mila, die Tochter des bekannten Schriftstellers
und Journalisten Mario Ancona. Nach Venedig zurückgekehrt,
zeigt er im Juli eine wichtige Ausstellung von Luigi Veronesi, einem
Vertreter der abstrakten Kunst in Italien, der auch auf den Seiten der
nationalen Presse einen beachtlichen Erfolg hat. Ein ebensolches
Interesse löst im November die Ausstellung der
“Aeropitture” (Luftmalereien) und der
“Sassintesi” (Sasentesi, eine abstrahierende Form
des Futurismus) des Futuristen Tullio Crali aus. Er stellt erstmalig in
Europa eine Auswahl von Werken von eskimoischen Bildhauern aus, mit
denen er in Kontakt getreten ist und aus diesem Anlass besondere Ehren
von Seiten einer Diplomatengruppe aus Quebec, die eigens zur Vernissage
gekommen ist, bekommen hat. Im Jahr 1979 feiert die Galerie
“Nuovo Spazio” ihr 10-jähriges Bestehen
mit einer Ausstellung, die fast alle Künstler zeigt,
für die er sich bislang am meisten interessiert hat. Aus
diesem Anlass erscheinen in den Zeitungen verschiedene Interviews, in
denen er die Geschichte der Galerie rekonstruiert und die eigene
Auffassung von den kulturellen Funktionen eines Händlers
moderner Kunst umreißt.
Er veröffentlicht eine Grafikmappe, in der Werke von
Bortoluzzi, Korompay, Zigaina gesammelt sind, zusammen mit einer
Einführung, die den Wert eines Manifestes über die
von ihm für seine Arbeit angewandten Kriterien bekommt: Dieser
Text von Chinese wird von vielen Künstlern und Intellektuellen
getragen, die ihn gegenzeichnen und somit ausdrücklich Zeugnis
geben über ihre Unterstützung der moralischen und
kulturellen Ziele des Galeristen.
Chinese ist im Übrigen einer
ihrer geschätzten Kollegen, mit dem viele von ihnen in
verschiedenen Ausstellungen vertreten sind. Er wird mit der Aufgabe
betraut, sie auf Kunstmessen zu vertreten, die nun auch in unserem Land
immer mehr entstehen. Im Sommer, während er auf der Abreise
zur Fiera di Levante ist, die bereits seit einigen Tagen
läuft, erhält er die Nachricht, dass sein Bruder
Renzo einen schweren Arbeitsunfall hat. Tief betroffen fährt
er sofort zu seiner Familie nach Friaul, die nach dem
plötzlichen Tod des Vaters vor einigen Wochen noch immer
mitgenommen ist. Einen Moment der Ruhe erfährt er durch die
Geburt seiner ersten Tochter. Diese Ereignisse werden von ihm in einer
Art autobiographischem Band mit dem Titel “Io chi?”
(Wer ich?) erzählt, der dann 1981 mit dem Verlag
“Italia Letteraria” herausgegeben wird. Das
wunderbare Vorwort stammt von seinem Freund Zigaina. Mit freier Seele
beschreibt der Autor seine Existenz, die Ereignisse in der
Vergangenheit, die Treffen und den Austausch mit den
Künstlern, die Bestimmung mit in einem gewissen Sinn
ausgewählten Personen in Symbiose zu leben, die von ihm
aufgrund tiefer spiritueller Gleichklänge bewundert werden. Er
beschäftigt sich intensiver mit der Malerei, aber er
verzichtet nicht darauf, Ausstellungen von nationaler Resonanz zu
organisieren, die von der Fachpresse positiv kommentiert werden. Er
präsentiert einen Arbeitszyklus von 1943 bis 1976 von Zoran
Music sowie eine Ausstellung moderner japanischer Künstler.
Zur selben Zeit geht er seiner Leidenschaft für die Liebe zur
Lagune nach, durch die er häufig auf einem kleinen Boot
fährt. Hier findet er schließlich auch die
Inspiration für die strahlenden Farbeffekte schillernder
Spiegelungen, die er stimmungsvoll in die rhythmischen Geometrien von
absoluter Räumlichkeit in die Darstellung zu bringen vermag.
Er ist ständig auf Reisen, um Ausstellungen und Ateliers von
Künstlern zu besuchen, mit denen er Beziehungen der
Freundschaft und der Arbeit begründet, um Beziehungen zu den
wichtigsten italienischen Sammlern zu knüpfen, um weitere
Ausstellungen zu planen. Im Jahr 1985 stirbt seine Mutter, zu der er
eine sehr starke Bindung hat. Dieser Lücke ist für
ihn nicht schließbar, weil er versucht hat, sich an ihrem
Beispiel zu orientieren und er ihr nacheifern wollte, aufgrund ihrer
außerordentlichen menschlichen Eigenschaften, ihrer
Feinfühligkeit und ihrer lebendigen Intelligenz. Im Jahr 1986
organisiert er im Rahmen der Ausstellung “Futurismo
– Futuristi” (Futurismus – Futuristen) im
Palazzo Grassi eine exzellente Anthologie von Tullio Crali, mit rund
zweiundsechzig Bildern aus verschiedenen Zeiten, die eine breite
Resonanz in italienischen und in internationalen
Künstlerkreisen hervorruft. Mit demselben Interesse verfolgt
er die Entwicklung einiger junger europäischer
Künstler, die in ihrem Land beinahe unbekannt sind, aber die
dank der durch ihn geförderten Ausstellungen bald die
Möglichkeit haben, sich mit überraschenden
Ergebnissen zu behaupten. Mit Großzügigkeit
fühlt sich Chinese nun mehr der Unterstützung junger
Künstler verpflichtet als sein eigenes künstlerisches
Schaffen zu verbreiten. Eine Arbeit, die sich allerdings immer
autonomer entwickelt hat und sich außerdem durch die
Notwendigkeit des in den Mittelpunkt gestellten Experimentierens mit
anderen Materialien auszeichnet, um die strenge
Zweidimensionalität der Malfläche zu
überwinden und plastische Lösungen von
größerer konstruktiver Effizienz zu forcieren.
Zwischen 1987 und 1988 entschließt er sich, mit den
Unterrichten, dem er viele Jahre mit besonderem Eifer nachgeht,
aufzuhören, um sich verstärkt seiner eigenen
künstlerischen Suche und der Tätigkeit in der Galerie
widmen zu können, deren Sitz seit kurzem erst auf das
Festland, nach Mestre, verlegt worden ist, um die Transfers mit dem
Auto von einer Stadt in die andere zu erleichtern, um Künstler
und Sammler zu treffen, mit denen er neue Ausstellungen planen wollte.
Die neue Galerie wird gebührend mit einer Ausstellung
berühmter Meister eröffnet, auf welche die
außergewöhnliche Ausstellung mit weniger bekannten
Werken von dem 1984 verstorbenen Tancredi folgt und mit dem er ein
Verhältnis größter Wertschätzung
pflegt. Aber um noch konstanter seiner Suche zu folgen,
beschließt er, in seinen Heimatort Mariano zu
übersiedeln, wo er sich eine sehr moderne Villa inmitten
üppiger Weinberge im fruchtbaren Friaul errichten
lässt, wodurch er ein großzügiges Atelier
bekommt, in dem er arbeiten kann. Ebenso kann er seine heranwachsenden
Kinder daran gewöhnen, in einem täglichen Kontakt die
Schönheiten der Natur zu lieben. Chinese fühlt sich
schließlich frei, sich vollständig der Malerei
hinzugeben, die ihn sogar dazu führt, dass er mit
industriellen Materialien experimentiert, “kostbare
Staube” verwendet, “schwimmendes Gold auf
ultramarinblauen Transparenzen”, wie dies Zigaina in seinem
Vorwort, das er für den Künstler 1991 geschrieben
hat, zu vermerken weiß. In dieser Zeit malt er verschiedene
Sujets, die manchmal mit besonderen Erfahrungen verbunden sind und
zeigt dennoch eine Richtung der Suche einer fantastischen Neukreation
der Realität auf, aus der sich Aspekte und Momente intensiver
Emotionalität hervortun. Aus dem venezianischen Umfeld stammen
hingegen Erinnerungen und Wahrnehmungen, die sich im Zyklus der
zeitgenössischen Malerei befinden und auf das Thema der
“byzantinischen Theorien” und der
“Kathedralen in den Lagunen” bezogen sind.
Der Ausbruch des Golfkrieges im Jahr 1991 führt ihn unter dem
Einfluss eines schmerzhaften Gemütszustandes dazu, eine Reihe
von Bildern zu malen, die sich auf diese schreckliche Tragödie
beziehen, mit Bildern von entgegen gesetzten Zeichen, dramatischen
Gegensätzen zwischen den zarten Farbtönen friedlicher
Landschaften und den dunklen erschütternden Darstellungen. Er
verspürt seinerseits das Bedürfnis sich mit dem
Publikum auseinanderzusetzen und wieder seine eigenen Werke
auszustellen, die in einigen Galerien Friauls gezeigt werden. Er
akzeptiert außerdem die Anfrage des Galeristenfreundes Paolo
Barozzi, der früher Sekretär und dann treuer Biograf
von Peggy Guggenheim war, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, ab
und zu sein eigenes Heim im Mailand zu öffnen, um die
Ausstellung eines Künstlers zu zeigen, der es seiner Meinung
nach verdient. Er stellt ihn seinen gelehrten und
äußerst anspruchsvollen Besuchern vor. Chinese
bereitet mit Sorgfalt die Ausstellung vor und verschickt eine Auswahl
an Werken jüngeren Datums. Darüber hinaus
vernachlässigt er auch seine eigene Galerie in Mestre nicht,
wo er unter anderem die Popart-Werke von Mimmo Rotella, seine
berühmten “Décollages”
ausstellt.
In seinem Haus in Mariano organisiert er eine Art
überfüllten futuristischen Abend und lädt
Crali ein, die Texte der Poeten der Bewegung vorzutragen und wo auch
Tochter Dunia, die klassische Tänzerin geworden ist, eine
phantasievolle Ballettaufführung zu einer Musik von Duke
Ellington vorträgt. Dies ist der Beginn einer Reihe von
Veranstaltungen, die er immer häufiger im Sommer im Garten der
Villa organisiert, die von Freunden und Liebhabern aus allen Regionen
besucht werden. Bedeutende Sammler zeigen sich an seinen Werken
interessiert. 1994 widmet ihm die Gemeinde S.Giovanni al Natisone in
der prachtvollen Villa De Brandis eine erste anthologische Ausstellung,
die während der Ausstellungsdauer von Konzerten mit bekannten
Ensembles und Solisten umrahmt wird. Zwischen 1994 und 1995 kreiert er
einen Gemäldezyklus zum Motiv der “anthropomorphen
Bäume”, ein Thema, durch das er den Bruch der
Harmonie zwischen Mensch und Natur symbolisieren will, aber auch die
Einsamkeit der Existenz, an der die unruhige moderne Gesellschaft
leidet, die in ihrem egoistischen Verhalten eingeschlossen ist und zu
Formen des Kampfes, die für die Schwächsten immer
untragbarer werden, verurteilt werden. Aber er verdeutlicht auch den
Impuls, sich nach oben hin zu erheben, aufzusteigen in die
Höhen spiritueller Vollkommenheit. Er stellt in Venedig im
Palazzo delle Prigioni Vecchie, in S.Marco diese neuen Malereizyklen
aus, wo die kompositorische Handlung bereits mittels geordneter
geometrischer Einsatzstücke mit ausgewogenen Farbvariationen,
in der Spannung, eine neue Architektur des Raumes wiederherzustellen,
strukturiert erscheint. Während seiner ausdauernden, obgleich
einsamen Irrfahrten inmitten von Friaul entdeckt er in der
Nähe der kleinen Ortschaft Taipana eine alte Mühle.
Fasziniert von der noch unberührten Natur, der stimmungsvollen
Schönheit des Ortes, mit Blick auf den Cornappo-Bach mit einer
kristallklaren Kaskade, wo Forellen und Flusskrebse leben, verliebt er
sich so sehr in die Mühle, dass er sich entschließt
diese zu kaufen, um sie zu restaurieren und sie zu seinem neuen Wohnort
zu machen. Nach dem Abschluss der Arbeiten, mit denen er lange
beschäftigt ist, erweist sich der Ort ideal für die
Abhaltung von Kulturveranstaltungen. So organisiert er eine Reihe von
Treffen mit Künstlern, Literaten, Musikern und lädt
sie ein, an regelmäßigen Initiativen teilzunehmen.
Er verbindet Konzerte und Ausstellungen von Skulpturen im Freien,
Buchpräsentation sowie Debatten zu verschiedenen aktuellen
Problemen. Im Jahr 1986 hält er eine Einzelausstellung in der
prachtvollen Villa Pisani in Strà ab, eines der Juwele
klassischer Architektur Venetiens. Im folgenden Jahr stellt er auf
Einladung der Gemeinde Pordenone in der nicht weniger bekannten Villa
Galvani aus. In Juni hingegen präsentiert er in seiner Galerie
in Mestre die historische Gruppe des „Movimento dello
Spazialismo“. Er arbeitet an einer neuen
Kunstströmung mit, die “Iperspazialismo”
genannt wird, ein Trend, bei dem er sich nicht nur auf theoretischer
Ebene, sondern auch durch effektive stilistische Entsprechungen wieder
findet. 1998 bereitet er für das Centro Friulano Arti
Plastiche eine Ausstellung mit seinen Bildern vor, die aus rund siebzig
Bildern besteht. Die Sujets sind “Bäume”
und “Kathedralen”, die exemplarisch die Suche in
den letzten Jahren dokumentieren. Er stellt in einer Einzelausstellung
im Kastell S.Giusto in Triest einen Zyklus mit Arbeiten aus, die sich
durch eine expressive Freiheit auszeichnen, die
gegenständliche und abstrakte Elemente als visionären
Symbolismus miteinander verschmelzen lässt.
Im Jahr darauf stellt er in der Biblioteca Statale Isontina in
Görz aus. Er wird zur Ausstellung eingeladen, die von den
Staatlichen Eisenbahnen anlässlich der Zweitausendjahr-Feiern
gefördert wird, die in der Villa Ca’ Zenobio bei
Treviso stattfindet. Er eröffnet auch in Udine die Galerie
“Nuovo Spazio”, die sich im Stadtzentrum befindet.
Die Galerie wird mit einer Ausstellung international bekannter
Künstler eröffnet, von denen viele seit einiger Zeit
mit ihm tatkräftige Beziehungen unterhalten. In Zusammenarbeit
mit dem Archiv Mascherini organisiert er eine wichtige Ausstellung mit
Werken des großen Bildhauers, der seit einiger Zeit
verstorben ist. Er lädt den Maler Ferruccio Bortoluzzi zur
Ausstellung ein, der seine gut bekannten “Reliefe”
präsentiert, die aus Abfallmaterialien hergestellt werden. Es
folgen Ausstellungen in den beiden Galerien mit Programmen, die
entschieden autonom sind. Aus diesem Grund ist er gezwungen, laufend zu
reisen, um Künstler auszuwählen und mit ihnen Daten,
Transporte, Kataloge abzustimmen, ein beachtliches zeitliches
Engagement, wodurch er sich weniger seinem Studium widmen kann.
Trotzdem gelingt es ihm, die beiden Berufungen in Einklang zu bringen,
Kunst zu schaffen und die Kunst jenen zu zeigen, die sie bewundern,
weil sie die idealen Affinitäten bemerken. Seine Suche in der
Malerei entwickelt sich in der Zwischenzeit zu einem vielschichtigen
Experimentieren an formalen und technisch instrumentellen
Modalitäten, mit dem Ziel, die räumlichen
Figurationen seines strahlenden Chromatismus zu stärken. Er
verwendet glasartige Materialien, die er in den Glashütten in
Murano erwirbt. Er integriert sie auf den vielfarbigen Grundierungen
der Bilder mit dem Ergebnis, weitere Effekte mit regenbogenfarbigen
Transparenzen, mit unverhersehbaren Reflexen zu erzielen, die
häufig das Bild in eine Plexiglas-Hülle
umschließen, auch um die erhöhten Teile zu
schützen. Mit diesen Werken erzielt er einen beachtlichen
Erfolg anlässlich der Ausstellung, die er im April 2003 in der
Galerie “Artis” in Parigi und einige Monate
später in der Galerie “Sauveur Bismuth”
ebenfalls in der französischen Hauptstadt zeigt. Analoge
Zustimmung bekommt er von Kritikern und vom Publikum mit der
Anthologie, die von der Gemeinde Mariano gezeigt wird. Diese wird in
zwei Sektionen unterteilt, eine für den historischen Teil, die
in der Aula Consiliare des Rathauses präsentiert wird und die
andere mit den Produktionen mit Murano-Glas in der Biblioteca Civica.
Nun werden seine Werke auch von öffentlichen Einrichtungen und
von ausländischen Sammlungen gefragt, die auf verschiedenen
internationalen Kunstmessen gezeigt und häufig von besuchten
Websites und von italienischen wie europäischen
Fachzeitschriften verbreitet werden.
Es folgen neue Forschungen “im spazialen Bereich”
mit gleichzeitiger Vertiefung eines ursprünglich
kombinatorischen Verfahrens zwischen raffinierten, ausgezeichnet
malerischen Elementen und gegenständlichen
Fundstücken unterschiedlicher Materialien zwischen Zwei- und
Dreidimensionalität mit Ausdruckslösungen von
wirklichkeitsnaher Plastizität, evozierend imaginäre
kosmologische Szenarien. Er stellt in Lugano mit einer
Einzelausstellung in der Galerie Rinaldo Invernizzi aus. Im Jahr 2005
ist er in Spanien mit den Ausstellungen über die letzten
Malerfahrungen sehr erfolgreich. Darüber hinaus stellt er in
den Sälen der Gesellschaft Dates Automovil España
in Barcellona und Faconauto und Mitsubishi Motors España in
Madrid aus, mit der Präsentation, die während einer
offiziellen Zeremonie im Museo Thyssen-Bornemisza erfolgt ist.
Er nimmt an einem Literaturwettbewerb des “Future
Center” der Telecom in Venedig teil und platzierte sich unter
den ersten Plätzen. Aber es ist die wieder entdeckte Malerei,
die für ihn zur Hauptaufgabe wird, das tägliche Feld
der Herausforderung, auf dem die eigenen menschlichen und kreativen
Bestrebungen gemessen werden. Im Jahr 2007 kommt seine Monographie von
Toni Toniato heraus, in der die Werke der letzten Zeit dargestellt
werden, jene, die dem Spazialismus am nächsten sind, mit einem
kurzen Exkurs auf die vorangegangenen Werke. Dieses Werk wird sofort in
den wichtigsten Buchhandlungen und in den Bookshops von Ca’
Pesaro in Venedig und der Accademia di Brera in Mailand, in der
Buchhaltung Electa in Mailand auf der Piazza Duomo, im Bookshop der
Villa Manin in Passariano aufgenommen und es wird anfangs im Ausland,
in Deutschland und in Österreich präsentiert,
anlässlich der Einzelausstellungen und Ausstellungen von
Chinese, dann in der Schweiz und erst später in Italien, an
verschiedenen Orten und mit maßgebenden Herausgebern, um dann
in der Galleria Internazionale d’Arte Moderna von
Ca’ Pesaro in Venedig zu landen, mit der
Präsentation von Toniato und vom Direktor des Museo di
Ca’ Pesaro Dott. Fuso. In dieser Zeit beginnt Chinese ein
neues Abenteuer, jenes der Installationen. Das Werk, das sich mit einem
eleganten kartonierten Band präsentiert, mit der Verwendung
von Spiegeln, aus einer Idee des Künstlers, lässt in
Chinese den Wunsch entstehen, dass aus der Präsentation des
Buches ein Ereignis und ein Werk selbst wird: während den
Präsentationen kreiert er Installationen mit den
Büchern und mit einigen Metallkugeln, zu denen er einige
seiner bedeutenden Malerwerke stellt. Von diesem Moment an folgen die
Präsentationen und auch die Anfragen für seine
Kunstwerke: die Libreria Bocca in Mailand, die auf Kunstbücher
spezialisiert ist. Entstanden in Turin im Jahr 1775 ist sie heute eine
der ältesten Buchhandlungen, die noch in Betrieb sind. Je nach
Aufgabenbereich gibt es drei Betriebe: die Libreria Bocca, die Casa
Editrice Bocca sowie das Giornale Arte Incontro in der Buchhandlung,
mit einer Auflage von 10.000 Stück und in 29 Ländern
verbreitet. Dieses historische Verlagshaus zählt Gioberti,
Pellico, Previati, Segantini, Nietzsche, Kierkegaard und Freud zu
seinen Autoren. Luciano Chinese wird aus diesem Anlass eingeladen, ein
Werk zu präsentieren, das - neben den Werken
berühmter Künstler, wie Lucio Del Pezzo, Enrico Baj,
Alighiero Boetti, Piero Dorazio, Giovanni Frangi, Ugo Nespolo, Luca
Pignatelli, Giò Pomodoro, Mimmo Rotella und vielen anderen -
den Boden der Buchhandlung dekorieren wird. Dann ist die Libreria
Feltrinelli in Udine an der Reihe. Nochmals präsentiert vom
Autor des Buches Toni Toniato und vom Kunstkritiker Riccardo Caldura.
Das Werk ist auch Teil der Sammlung der Biblioteca Nazionale in
Frankreich in der bekannten Bibliothek François Mitterand in
Paris. Von diesem Augenblick an hört Chinese nicht mehr auf,
sich der Malerei zu widmen. Er sucht Ausdruckstechniken und neue Sujets
und nimmt mit seinen Werken an den wichtigsten Auktionen teil.
Die Werke des Künstlers sind in wichtigen Sammlungen und in
verschiedenen Katalogen von Auktionshäusern vertreten, darunter
Finarte Semenzato in Venezia. Die Dokumentation über das Werk des
Künstlers befindet sich im Historischen Archiv der Biennale in
Venezia, in der Stiftung Ragghianti in Lucca, im Historischen Archiv
für Moderne und Zeitgenössische Kunst des Museo Bandera in
Busto Arsizio (Varese), im deutschen Kulturinstitut in Florenz, im
Centro Friulano Arti Plastiche in Udine, in der Biblioteca Nazionale
Isontina di Gorizia, im Museo Pagani in Castellanza (Varese), im
“Dates Automovil España sl” in Barcellona (Spanien),
im Quadriennale in Roma, im Kantonalen Kunstmuseum in Lugano (Schweiz),
im Katalog Comanducci, im Glasmuseum Berengo (Murano – Venedig),
in der Französische Nationalbibliothek mit Sitz in der Bibliothek
François Mitterand.
Referenz-Galerien
Italien
- Galleria “La Roggia” – Conegliano (Treviso).
- Galleria “Art Bug” – Bassano del Grappa (Vicenza)
- Galleria “Artesegno” – Udine
- Galleria “Laboratorio 2 International”- Udine
- Galleria “Nuovo Spazio” Venedig- Mestre und Udine
Frankreich
- Galerie “Sauveur Bismuth” – Paris
Schweiz
- Galerie “Kaara Art” – Genf
Deutschland
- Galerie “Artodrome” – Forchheim
- Galerie “ Bohemer” – Mannheim
Dr. Mila Ancona, 2005